Neue Kraft durch Bewegung im Freien


Spazierengehen. Das is doch nur was für Oma und Opa mit Stock am Sonntag Nachmittag. Naja, halt für Langweiler zumindest, oder? Hm, ich bekenne mich: Ich bin Spaziergangfanatiker! Wie eine augenscheinliche Kleinigkeit mein Leben entscheidend prägen konnte.

TaktorIch finde unser heutiges Leben ist doch an Ironie kaum zu toppen: Unsere Vorfahren in Europa haben sich zu Zeiten der Industrialisierung krumm und buckelig gearbeitet. Diese Phase ist überschritten und heutzutage stehen kaum noch Menschen an Maschinen (zumindest hier im Land). Und selbst diejenigen, die es noch tun, können sich über um Welten bessere Arbeitsbedingungen freuen als vor 200 Jahren. Aber was haben wir aus diesem Fortschritt gemacht? Wir haben eine Kultur entwickelt, in der Menschen das andere Extrem durchleben, indem sie an eine Sitzgelegenheit gefesselt werden. Wieder arbeitet man sich krumm und buckelig, die Maschinen heißen halt heute bloß Computer oder Auto.

Wie war es früher?

Bewegen wir uns (darum geht es ja schließlich) doch im Geiste einfach einmal um 50 Jahre zurück. Wie sah das Leben aus? PCs waren in Haushalten nicht zu finden, Spielkonsolen gab es noch nicht und es hatte sage und schreibe nicht einmal jeder Haushalt einen Fernseher. Daraus ergaben sich eine Menge an interessanten „Konsequenzen“:

  • Man musste raus aus den eigenen 4 Wänden zum Einkaufen. Der Otto Katalog war einfach kein Ersatz für Amazon.
  • Man musste für jedes einzelne Bankgeschäft zur Bank latschen und da eine Überweisung einwerfen.
  • Statt E-Mails hat man Briefe geschrieben, die man laufend zum nächsten Postkasten bringen musste. Oder man hat seine Freunde gleich besucht, hatte ja auch nicht jeder ein Telefon!
  • Im Fernsehen liefen praktisch nur zwei Sender. Abends. Man war also dazu „verdammt“ sich eine andere Beschäftigung zu suchen. Lesen vielleicht? Wieso bei schönem Wetter drinnen sitzen. Lesen kann man ja auch draußen . . .
  • Ein Auto war keine Selbstverständlichkeit. Was blieb einem also anderes übrig als Laufen, Radeln oder immerhin zur Bahn zu laufen?
  • Ein alltäglicher Bürojob sah damals auch ganz anders aus. Man war viel unterwegs zum Kollegen im Stock oben drüber, zum Kopierer, zur Poststelle . . .
Alles in Allem: Man hat sich schon deswegen bewegt, weil man einfach sein Leben gelebt hat. Das ging so völlig nebenher. Ganz natürlich eben.

Und heute?

ComputerHeute pendeln die meisten Menschen in reichen Ländern wie Deutschland zwischen zwei Extremen: Sitzen oder Sport. Entweder Nicht-Bewegen oder alles aus dem Bewegungsapparat Rausholen was geht. Viele machen Sport „zum Ausgleich“. Und da wir immer mehr sitzen, muss immer mehr Sport gemacht werden, um das auszugleichen. Ein Körper kann aber durch Sport auch belastet werden, wenn er sonst nur vor sich hinrostet. Wo ist das gesunde Mittelmaß? Wenn ich dieses Konzept auf meine Essgewohnheiten übertragen würde, sähe das ungefähr so aus:

Die meiste Zeit hungere ich. Aber um das auszugleichen, überfresse ich mich.

Damit beginnt der Spaß aber erst

Sitzen macht dumm und Bewegung fördert die Kreativität.
Nett, dass auch die Hirnforschung das zu stützen weiß. Ich hatte meine Freundin darauf angesprochen und Ihre Reaktion war simpel: „Ich brauche keine Studien, um das zu wissen!„. Ich denke, das dürfte den meisten so gehen. Oder was sagt Dein Bauch dazu? Ist ständiges Sitzen einfach nur gut für Deinen Körper und Deine Seele oder sehnst Du Dich nach mehr?

Ja, ich bin beim Rausgehen dabei »

Und genau deswegen finde ich den aktuellen MonatsMob „Im Freien sein“ so verdammt wichtig. Selbstverständlich kann eine Stunde Bewegung unter freiem Himmel keine 15 Stunden Sitzen wieder gut machen. Aber es ist ein Anfang. Es geht auch darum, den Spaß am Rausgehen wieder zu entdecken. So wie früher als Du und ich noch Kinder waren. Wollten wir da ständig nur rumhocken? Also ich nicht. Ich weiß, wie gut Laufen für mich ist und würde meine Faszination dafür gerne an Dich weitergeben . . .

Spazieren als Königsdisziplin

Ich schätze am ausgiebigen Spazierengehen vor allem die Ausgewogenheit. Man ist gleichzeitig auf Achse, trotzdem nicht zu beansprucht und kann den Spaziergang einfach auf dem Weg von Termin A nach B dazwischenschieben während man seine Umwelt auch noch bewusst genießt. Was tut sich da oben im Baum? Hat mich die Person gerade angelächelt? Ich wüsste nicht, wie ich diesen aufmerksamen Genuss auf Aktivitäten wie Joggen oder Laufbandlaufen übertragen könnte. Ganz klar: Joggen oder Yoga in einem geschlossenen Raum sind Beschäftigungen, die ich jedem von Zeit zu Zeit nur empfehlen kann, aber: Das hat eine ganz andere Qualität als schlichtes Spazierengehen.

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Denn beim einfachen Schlendern geht es auch ganz viel um Input. Während man immer von ganz viel Eindrücken umgeben ist, hat man beim gemäßigten Laufen genug Zeit, um diese auch zu verarbeiten. Und genau deswegen ist Bewegung für die Kreativität so ein fruchtbarer Boden: Neben der Tatsache, dass Dein ganzer Kreislauf und damit auch Deine Präsenz und die Hirnaktivität in Schwung kommen, sind neue Einflüsse so viel Wert für Deine Kreativität. Schließlich poppen Ideen nicht urknallmäßig einfach so aus dem Vakuum auf, sie entstehen vielmehr durch die geschickte Vernetzung von bereits Vorhandenem. In einem Zimmer zu sitzen, um sich auch ja etwas einfallen zu lassen . . . das ist für mich ein bisschen wie Ideen-Inzest. Praxisbeispiel: Während ich diesen Text getippt habe, war ich ein Dutzend Mal entweder am Klo, neues Wasser holen oder ich bin auf meinem Stuhl durch die Gegend gefahren. Geht für mich nicht mehr ohne . . .

Inspirationsquellen

Das Schöne beim Gehen an der frischen Luft ist die Tatsache, dass Dir automatisch neue Eindrücke zufliegen, wenn Du Dich auf Deine Umwelt konzentrierst und Dich mal bewusst gegen Kopfhörer und Smartphone entscheidest. Selbst in der Stadt. Klar ist ein Gang durch den Wald irgendwie entspannender. Aber ich als Stadtkind muss sagen: Es gibt so viel zu entdecken. Geh ich doch mal da lang und plötzlich hab ich wieder eine Ecke gefunden, die zwei bekannte Ecken miteinander verknüpft. Es formen sich neue Wege in meinem Kopf. Ich liebe es, jede Ecke meiner Heimatstadt zu kennen und mich fast überall zumindest grob zurecht zu finden. Oder da. Wahnsinn, ich hab ja auch einen kleinen süßen Laden für XYZ direkt ums Eck. Warum bin ich eigentlich noch nie hier entlanggegangen? Und gerade in der Nacht haben die Straßen einer Stadt so viel Schönes zu bieten, getaucht ins Licht bewegt man sich in einer anderen Welt.

Genauso wichtig empfinde auch Musik, denn damit kommen meine Gedanken erst richtig in Fahrt. Unterwegs verleiht Musik auf den Ohren der ganzen Welt andere Farben und ich fühl mich dann immer in einer großen dynamischen Komposition mit meiner Umwelt verbunden.

Dieses Album hat mich dabei die letzten Tage begleitet, und wie. Tanzend oder grübelnd durch die Straßen – geht beides!

Und zu guter letzt liebe ich es, neue Gedanken in mich aufzusaugen. Das geht mit dem heutigen Angebot von Interviews und Podcasts besonders gut. Zwei Quellen, mit denen ich mein Gehirn immer wieder gerne bombardiere und die mir unheimlich beim Wachsen geholfen haben, sind die zwei folgenden. Die YouTube Videos kann man bequem mit dem YouTube Song Downloader für seinen Player oder Smartphone in MP3s umwandeln:

KenFM

Für die politisch Interessierten. Ken FM stellt Fragen, welche sich die Massenmedien nicht zu stellen trauen.

PersonalPowerCoach

Peter Frahm erklärt, wie man ein bewusstes und modernes Leben führen kann.
 

Bist Du bereit? Willst Du neue Gedanken generieren? Deinem Körper etwas Gutes tun? Wann gehst Du raus? Keine Ausreden. Die Zeit ist JETZT!

Viel Spaß dabei wünscht der
°°°Alex

Nachtrag genau einen Tag später:
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An meinem freien Tag heute wollte ich eigentlich Musik machen. Aber den Plan hab ich kurzerhand über den Haufen geworfen und mich dazu entschieden, wieder ein wenig 60er wie oben beschrieben zurückzubringen:

  • Ich bin also zur Bank gelaufen, um dort en Geschäft abzuwickeln, was auch auch eBanking hergegeben hätte
  • Ich bin zur Post gegangen und habe dort einen echten Brief abgegeben, den ich auch per E-Mail verschicken hätte können
  • Ich bin zu Fuß zu meinem Zahnarzt, nur um dort einen Termin auszumachen
  • Ich habe etwas bei der Apotheke meines Vertrauens anstatt der Netzapotheke oder einer Kette gekauft
  • Ich bin in ein Geschäft und nicht zu Amazon, um dort ein Buch zu kaufen: Geh-Meditation. Ich hoffe damit eine Brücke zwischen dem Thema dieses Monats und des nächsten schlagen zu können.
Ich weiß zwar nicht, ob ich das auf Dauer haben möchte, aber der Tag heute war einfach klasse =) Auch deswegen, weil ich wie von selbst an ein paar Highlights meiner Heimatstadt vrobeikam:

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