Smalltalk Lernen – Startschuss

Wir haben meditiert, gelernt, Freude gemacht, uns innerlich und materiell ausgemistet, sind gerannt und haben lächelnd aufgehört Dinge zu tun, die uns ausbremsen. Über ein Jahr MonatsMob. Und jetzt stehen wir wahrscheinlich vor der größten Herausforderung bislang: Wir wollen mit wildfremden Menschen ein Gespräch führen, die bis eben noch gar nicht damit gerechnet hatten 🙂

Es war einer der Hauptgründe, warum Stefan und ich den MonatsMob ins Leben gerufen haben und jetzt schlottern uns schon ein wenig die Knie, um ehrlich zu sein. Aber da müssen und vor allem wollen wir jetzt durch. Denn unser Ziel ist es, mehr Sozialkompetenz zu gewinnen. Und die kommt nicht vom Himmel geregnet, dafür müssen wir über unsere Schatten springen.

Nachdem wir uns im Oktober bereits daran gewöhnt haben, fremde Menschen anzusprechen, kommt nun die Steigerung. Um diese bewältigen zu können, sollte es für Dich kein Problem mehr sein, in Kontakt zu fremden Menschen zu treten (sei es ein Hallo oder eine kurze Frage). Wer noch nicht soweit ist, der sollte sich erst dem Thema des letzten Monats widmen.

Der Einstieg

smalltalk lernenDa es für Stefan und mich alles andere als ein Leichtes ist, aus dem Stehgreif mit fremden Menschen Smalltalk zu führen, haben wir unsere Köpfe zusammen gesteckt und ein paar hilfreiche Vorgehensweisen gesammelt, welche der scheinbar komplexen Aufgabe Struktur gibt und damit die Angst vor dem Ungewissen nimmt:

  • Der Start ins Gespräch erfolgt am besten durch Anlächeln, Aufbauen von Blickkontakt und eine Frage stellen (wie bereits im Vormonat trainiert).
  • Als Auftaktfrage eignen sich Auffälligkeiten, die man anspricht. Z.B. „Wo haben sie denn diese rosa Plüschratte her, die würde meiner Tochter sicher auch gefallen!“ oder „So ein Fahrrad überlege ich mir auch zu kaufen – was können Sie mir dazu erzählen?“.
  • Aber auch Gemeinsamkeiten eignen sich hervorragend anzusprechen, wenn man z.B. zusammen auf die Bahn wartet oder ein Spektakel beobachtet. Wenn man sich in der Bahn gegenüber sitzt, kann man sich auch nach dem Weg seines Gegenübers erkundigen. Wem das zu trivial erscheint, der kann mit einem Satz wie etwa folgendem einleiten: „Ich finde es immer komisch, wenn man sich so lange gegenüber sitzt und überhaupt nicht miteinander spricht. Wo fahren sie denn hin?“.
  • Du brauchst keine Angst haben, Dein Smalltalk-Partner könnte sich belästigt fühlen. Vielleicht liest er sogar nur ein Buch, weil ihm langweilig ist und er sich selbst nicht traut, jemanden anzusprechen. Sollte er wirklich seine Ruhe wollen, wird er Dich das merken lassen!
  • Selbstverständlich kannst Du auch einfach eine Frage erweitern, die im Vormonat gut funktioniert hat. Die Frage „Wie spät ist es?“ lässt sich gut durch eine Zusatzinformation ergänzen wie etwa „Oh, dann habe ich nur noch eine halbe Stunde Zeit, um irgendwoher Blumenerde aufzutreiben!“. Das liefert Deinem Gegenüber wieder eine Gelegenheit selbst tiefer zu bohren und etwas von Dir zu erfahren.
  • Eine weitere Möglichkeit ist die Frage nach Erklärung. „Könnten sie mir bitten den Aushangfahrplan erklären, ich blicke da gar nicht durch?“. Die meisten Menschen mögen es, wenn sie etwas erklären können. Sie sind gerne Experten.
  • Die oberste Regel bei der Auswahl der Frage ist simpel: Du musst Dich mit der Frage wohl fühlen! Also überlege, was für Dich am besten passt!

small talk

Im Fluss

Der erste Schritt ist getan, doch wie das Gespräch am laufen halten?

  • Ausgefallene oder verrückte Fragen lockern die Atmosphäre nicht nur von Anfang an auf, indem beide Parteien lachen müssen, es sorgt von Vornherein für Gesprächsbedarf. Beispiel: „Kannst Du mir ein Afghanisches Restaurant empfehlen?“. Dein Gegenüber wird wahrscheinlich stocken. Du kannst weiter fortfahren: „Ich habe nämlich mit meinem Freund gewettet und muss innerhalb einer Stunde ein afghanisches Restaurant finden ohne das Internet zu benutzen!“
  • Wir wollen diesmal das Gespräch am Laufen halten. Leichter fällt das indem man man offene Fragen stellt („Wie hat Dir das Konzert gefallen?“) statt geschlossenen Fragen („Fandest du das Konzert gut?“). Offene Fragen stellen an das Gegenüber meist die Anforderung, dass er oder sie etwas ausholen muss. Während eine geschlossene Frage kurz und bündig beantwortet werden kann, was den Smalltalk schnell in eine Sackgasse treibt.
  • Allerdings sollte man sich nicht nur auf Fragen verlassen. Sehr hilfreich ist es wenn man ein wenig von sich selbst Preis gibt. Das gibt dem Gesprächspartner die Gelegenheit es aufzugreifen und selbst weiterzuführen oder nachzuhaken.
  • Im Allgemeinen funktioniert Smalltalk besser, wenn die Anteile beider Sprecher ungefähr ausgewogen sind. Höre also aufmerksam zu und lasse den oder die andere ausreden, bevor Du selbst über Dich erzählst.
  • Obwohl man auch beim anfänglichen Abtasten widersprechen darf (vor allem, wenn man dadurch seine Meinung kundtut, man sollte sich nicht verstellen), ist die Wahl heikler Themen wie Politik . . . naja eben heikel. Das lässt die Situation oft noch unangenehmer werden, als sie ohnehin schon ist, wenn die Nerven leicht flattern.
  • Menschen auf der Straße aufzuhalten und in Smalltalk zu ziehen, könnte ein Hindernis sein, wenn diese sich aufgehalten fühlen. Deutlich leichter fällt es in Schlangen, beim Warten auf den Bus oder wenn man mit seinen Gesprächspartnern in die gleiche Richtung läuft während der Unterhaltung.
  • Erleichtert wird der Einstieg auch auf sozialen Events wie Konzerten oder Geburtstagsfeiern. Zum einen, weil es dort ganz normal ist, sich auszutauschen und weil man ohnehin schon eine Gemeinsamkeit (Interesse oder Freund/in) mitbringt.
  • Wenn man mit (s)einem Umsetzungspartner unterwegs ist, kann das „Smalltalk lernen“ deutlich leichter fallen – denn dann hat man die Verpflichtung es auch wirklich zu tun.

Wir wissen beide, dass dieser Monat uns zwingen wird, unsere Grenzen ein Stück weit zu überschreiten und das kostet Mut. Konzentriere Dich auf das warme Gefühl, das Deinen Körper durchströmen wird, wenn Du Dich durchgerungen und die Aufgabe erledigt hast. Letzten Endes wird nämlich das dumpfe Gefühl, das zurückbleibt, wenn Du es nicht versucht schlimmer sein, als das Kribbeln vor dem Ansprechen!

Wir setzen uns zum Ziel in diesem Monat jeden Tag Smalltalk zu versuchen und mit 10 Menschen ein längeres Gespräch von mindestens einer Minute zu führen.

Wir freuen uns auf die Aufgabe und Deine Teilnahme 🙂

°°°Alex

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5 Antworten zu Smalltalk Lernen – Startschuss

  1. Angela Oda 11. November 2015 um 8:23 #

    Hallo Ihr beiden,
    eure Idee ist sehr gut. Ich mache solche Talks irgendwie schon immer und habe mir eigentlich vorgenommen damit aufzuhören . Sollte ich wohl nicht tun…
    Es ist ein innerer Impuls der aus dem Augenblick entsteht. Eigentlich wollte ich ja etwas weniger impulsiv sein, aber vielleicht sollte ich diese Eigenschaft ja eher schätzen.
    Danke euch beiden und viel Erfolg Angela Oda

    • °°°Alex 11. November 2015 um 10:58 #

      Hallo Angela,

      ziemlich interessant! Wieso hast Du bisher gedacht Deinen inneren Impuls unterdrücken bzw. einschränken zu müssen?

      • Angela Oda 12. November 2015 um 14:30 #

        Hallo Alex,

        Meine Antwort ist einfach, meine Umgebung hat mich oft darauf aufmerksam gemacht, dass ich zu viel Zeit mit Gesprächen auch am Telefon verbringe. Leider gibt es noch sehr viel schöne Arbeit in meinem Leben und leider auch Arbeit die ich noch nicht positiv verankern konnte. Meine spontanen Gespräche verbrauchen Zeit, aber ich genieße sie.
        Möglicherweise ist einfach die innere Kommunikation wichtig für mich und dann gehe ich nicht so viel ins Außen.
        Die Balance zu behalten ist ja das was wir brauchen.
        Danke für die tolle Idee , du regst damit viele Menschen an etwas für sich zu tun und damit arbeiten sie ja für die ganze Matrix der Menschheit.
        Viele Grüße Angela Oda

  2. Michael Toppelreiter 11. November 2015 um 16:34 #

    Hallo Alex, hallo Stefan,

    ich finde diesen Beitrag sehr gut gelungen, vor allem, wie alles strukturiert und begründet ist und „trotzdem“ euer Herzblut bei Sache zu spüren ist. Viel Freude und Erfolg weiterhin!

    Liebe Grüße,
    Michael

    • Stefan
      Stefan 11. November 2015 um 19:00 #

      Im Namen von Alex und mir: Sänks Meik 🙂
      Wir werden unser Bestes geben das ab 15. November auch in die Tat umzusetzen – denn letztendlich zählt nur die Praxis! We all know this 🙂

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